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Mit offenen Augen und Herzen: Schülerinnen und Schüler begegnen Kindern in den Slums von Delhi


Kleiderspenden, Bücher und Spielsachen – und eine neue Perspektive für arme Frauen: Ein Besuch der Deutschen Botschaftsschule in Delhi setzt ein Zeichen für Menschlichkeit und nachhaltige Hilfe.


Delhi, 24. Oktober 2026. Wie leben Menschen, die täglich unter schwierigen Bedingungen um ihre Existenz kämpfen? Und was können wir tun, um ihnen nicht nur kurzfristig zu helfen, sondern langfristig neue Perspektiven zu eröffnen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler der Deutschen Botschaftsschule bei einem Besuch in einem Slumgebiet von Delhi am Samstag, den 24. Oktober 2026.

Der Besuch ermöglichte den Jugendlichen einen unmittelbaren Einblick in die Lebenswirklichkeit armer Familien. Zugleich wurde deutlich, wie wichtig persönliche Begegnungen sind, um Verständnis, Mitgefühl und soziale Verantwortung zu entwickeln.


Teilen, begegnen und gemeinsam lernen

Die Schülerinnen und Schüler brachten Kleidung für die Bewohnerinnen und Bewohner mit. Die Emmaus-Gemeinde stellte Bücher und Spielsachen für die Kinder zur Verfügung. Die Spenden sollten den Familien im Alltag helfen und den Kindern Freude bereiten.

Doch im Mittelpunkt stand nicht allein das Geben. Es ging vor allem darum, Menschen kennenzulernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und für ihre Lebenssituation sensibilisiert zu werden.

Die Eindrücke vor Ort waren für die Jugendlichen bewegend. Der schlechte Geruch, die engen und einfachen Hütten sowie die unzureichenden sanitären Einrichtungen machten ihnen deutlich, unter welch schwierigen Bedingungen viele Menschen in Delhi leben.

Gleichzeitig erlebten die Schülerinnen und Schüler eine große Herzlichkeit. Die Bewohnerinnen und Bewohner begegneten ihnen freundlich und offen. Die Jugendlichen unterhielten sich mit den Kindern, spielten mit ihnen und konnten für einen Moment an ihrem Alltag teilhaben.

Aus einer Begegnung mit zunächst fremden Menschen wurde so eine persönliche Erfahrung, die zum Nachdenken anregte.


„Wir leben in einer Blase“

Der Rektor der Deutschen Botschaftsschule, Martin van Neerven, unterstrich die Bedeutung solcher Erfahrungen für die Entwicklung junger Menschen. Häufig lebten wir in einer eigenen „Blase“ und nähmen kaum wahr, unter welchen Bedingungen andere Menschen ihren Alltag bewältigen müssten.

Deshalb sei es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler die Lebenswirklichkeit armer Menschen unmittelbar kennenlernten. Solche Begegnungen könnten die Augen und Herzen öffnen und dazu ermutigen, sich für andere einzusetzen.

Diese Erfahrung ist besonders wertvoll: Soziale Verantwortung entsteht nicht allein durch Unterricht oder theoretisches Wissen. Sie wächst auch dort, wo Menschen einander begegnen, Fragen stellen, zuhören und sich von den Lebensgeschichten anderer berühren lassen.


Nachhaltige Hilfe: Frauen stärken und Selbstständigkeit ermöglichen

Ein besonderes Anliegen des Besuchs war die Frage, wie Menschen langfristig unterstützt werden können. Der Arul Trust e. V. setzt sich für nachhaltige Entwicklungsarbeit ein, bei der nicht nur akute Not gelindert, sondern auch die Grundlage für ein selbstständiges Leben geschaffen wird.

In diesem Zusammenhang hat die Stiftung Arul Arakkattalai vereinbart, die Kosten für eine Näherin zu übernehmen, die Witwen und andere arme Frauen durch ihre Arbeit unterstützt und ihnen das Nähen als Möglichkeit zur eigenständigen Einkommenssicherung eröffnet.

Das Ziel ist, den Frauen neue Chancen zu ermöglichen, ihre Fähigkeiten zu nutzen und ihren Lebensunterhalt zunehmend selbst zu bestreiten. Gerade für Witwen und Frauen in schwierigen sozialen Situationen kann eine solche Unterstützung einen wichtigen Schritt in Richtung wirtschaftlicher Unabhängigkeit bedeuten.

Hilfe zur Selbsthilfe heißt: Menschen nicht dauerhaft von Unterstützung abhängig zu machen, sondern ihnen Möglichkeiten zu eröffnen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.


Eine Partnerschaft, die Zukunft schafft

Der Besuch soll keine einmalige Aktion bleiben. Geplant sind weitere Begegnungen und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit einer Schule im Slumgebiet.

Deutsche Schülerinnen und Schüler könnten künftig gemeinsam mit den dort lebenden Kindern spielen, lernen und an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen. Auf diese Weise könnten Freundschaften entstehen, Vorurteile abgebaut und gegenseitiges Verständnis gefördert werden.

Eine solche Partnerschaft eröffnet Chancen für beide Seiten. Die Kinder im Slum erfahren Wertschätzung und erleben neue Lernmöglichkeiten. Die deutschen Schülerinnen und Schüler lernen, gesellschaftliche Unterschiede bewusster wahrzunehmen und Verantwortung über die Grenzen ihrer eigenen Lebenswelt hinaus zu übernehmen.

Dabei geht es nicht um ein einseitiges Verhältnis zwischen Gebenden und Empfangenden, sondern um Begegnungen auf Augenhöhe. Jeder Mensch hat etwas zu geben, und jeder Mensch kann von anderen lernen.


Menschlichkeit kennt keine sozialen Grenzen

Der Besuch in Delhi zeigt, dass Hilfe unterschiedliche Formen annehmen kann. Kleidung, Bücher und Spielsachen können unmittelbare Freude schenken. Die Förderung praktischer Fähigkeiten kann neue wirtschaftliche Perspektiven schaffen. Persönliche Begegnungen wiederum können Einstellungen verändern und Menschen dazu bewegen, sich dauerhaft für andere einzusetzen.

Für den Arul Trust e. V. ist dieses Engagement Ausdruck einer Überzeugung: Nachhaltige Entwicklung braucht sowohl konkrete Unterstützung als auch die Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen.

Die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Botschaftsschule, der Emmaus-Gemeinde und der Stiftung Arul Arakkattalai verbindet deshalb unmittelbare Hilfe mit dem Ziel langfristiger Veränderungen.


Unser Anliegen ist es, nicht nur Armut zu sehen, sondern Menschen wahrzunehmen. Nicht nur Hilfe zu leisten, sondern Hoffnung zu ermöglichen. Und nicht nur für andere zu handeln, sondern gemeinsam mit ihnen Zukunft zu gestalten.

Denn eine gerechtere Welt beginnt dort, wo wir unsere eigene Lebenswirklichkeit verlassen, anderen Menschen begegnen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.